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Die Notwendigkeit eines Sandbads beim Chinchilla


Dieser Bericht stammt aus dem Jahre 2000 und ist nicht mehr in allen Teilen aktuell. Chinchillas dürfen nicht alleine gehalten werden. Auch heute noch sollte auf einen Chinchillaerfahrenen Tierarzt geachtet werden, da Chinchillas immer noch als Exoten gelten.
Lilly hat sich innerhalb weniger Monate vollständig erholt und vernünftig baden gelernt. Das Fellproblem ist indirekt zurück geblieben, da sie in Streßsituationen zum Fellbeißen neigt. Nachdem die Ohren wieder frei waren, entwickelte sie sich zu einem sehr dankbaren und lieben Tier mit normalen Reaktionen.
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Schon vor dem Kauf meines ersten Chinchillas legte ich mir einen Tierratgeber zu und deshalb war es für mich als Chinchillahalter immer selbstverständlich, meinem Kleinen ein regelmäßiges Sandbad zur Verfügung zu stellen. Ich musste lediglich ziemlich schnell den hölzernen Deckel der Wanne (Zoohandel) gegen eine Metallplatte austauschen, weil mein Chin sich dank seiner Zähne ein "Freibad" geschaffen hatte. Im Normalfall stelle ich das Sandbad abends nach dem Auslauf für ca. 1 bis 2 Stunden zur Verfügung, ab und an auch ganz über Nacht. Mit seinem Fell hatte ich selten Probleme, weil er es so immer ordentlich reinigen konnte.

Lilly an ihrem Einzugstag
Lilly an ihrem Einzugstag

Mitte Juni 2000 bekam ich dann meine Chinchilladame "Lilly" die mit meinem "Sancho" vergesellschaftet werden sollte. Die Besitzerin sagt mir, dass die Kleine Fellprobleme hätte, der Tierarzt aber nichts feststellen konnte, als sie es untersuchen ließ. Das Sandbad bekäme sie auch regelmäßig nach dem Auslauf. Ich dachte mir nichts weiter dabei – solange bis die kleine Lady wirklich bei mir einzog. Das Foto zeigt Lilly noch am Tag ihres Einzugs und wie man unschwer erkennen kann, sind die Fellprobleme durch Fellbruch doch etwas ausgeprägter. Ich entschloss mich spontan, ihr erst einmal eine Metallschüssel mit einem frei zugänglichen Sandbad zu Verfügung zu stellen. Die mitgelieferte "Sandwanne" war ein flacher Teller mit knapp 40 cm Durchmesser, der selbst mit 1,5 kg Sand schwerlich zu füllen gewesen sein müsste. Sie hatte dort vielleicht ein bis zwei Milimeter Sandhöhe nach der ersten Drehung, so dass kein Reinigungseffekt zustande kam. Zusätzlich "drängte" ich ihr ab sofort täglich eine halbe Tablette Calcipot und Vitamine auf.

Lilly nahm dieses kleine Präsent auch begeistert an, allerdings stellte ich ziemlich schnell fest, dass sie gar nicht in der Lage war, sich ordentlich zu wälzen. Sie legte den Bauch und die rechte Seite vorsichtig in den Sand, und das war es. Von dem instinktiven scharren und drehen war nichts zu sehen - sie wusste nicht, wie ein Chinchilla badet.
Am folgenden Tag fiel mir auf, dass sie sich fast minütlich hinter dem linken Ohr kratzte. Auffällig war weiterhin, dass man sich hinter sie stellen und klatschen konnte, ohne dass eine Reaktion zeigte. Also sah ich es mir sie ein wenig genauer an und blieb schnell an ihren Ohren hängen.
Chinchillaohren sind normalerweise von innen und außen samtig behaart, einheitlich gräulich und insgesamt durchscheinend gegen das Licht. Lillys Ohren waren schwarz und total verschuppt. Selbst im Inneren der Ohren konnte ich außer Dreck nicht viel erkennen. Das Fell war gerade an der Seite auf großer Fläche abgenagt und ebenfalls leicht schuppig auf der Haut.
Ich rief noch am selben Tag bei meiner Tierärztin an, da mir bekannt war, dass durch ein fehlendes Sandbad das Fell soweit runter kommen kann, dass sich Hautpilze bilden (Parasiten im Fell kommen bei Chinchillas nur sehr selten vor).

Die Tierärztin sah sich meinen Neuzugang ziemlich genau an. Die Zähne waren soweit in Ordnung, aber sie konnte einen Hautpilz nicht ausschließen. Die Ohren brachten selbst sie zum schimpfen. Ich durfte mit Hilfe des Zusatzgeräts mal einen kleinen Blick in das Ohr innere werfen und selbst als Laie war es mir nicht möglich, die ganzen Knubbel und dicken, verschorften Schmutzklumpen zu übersehen.
Mit Hilfe einer Tropflösung probierte die Tierärztin dann, zumindest das Grobe zu entfernen. Trotz des Einwirkens der Tinktur konnten die großen Krusten aber kaum entfernt werden. Ein besonders hartnäckiger Klumpen, auf den es die Tierärztin abgesehen hatte, löste sich nur stellenweise und riss ihr dabei einen Teil der Haut ab, so dass es ziemlich stark blutete. Daraufhin brach die Ärztin den Versuch ab.
Für das Innere der Ohren bekam ich eine Tinktur mit Antibiotika mit, die ich ihr zwei mal täglich ins Ohr tropfen sollte. Am nächsten Tag fing ich dann mit der Behandlung an. Diesmal wehrte sich die Kleine aber tapfer und ich brauchte schon etwas Geduld, um das Zeug überhaupt in ihre Ohren zu bekommen. Vom Saubermachen ganz zu schweigen. Dank des Tipps einer Züchterin begann ich, die Ohrmuscheln mit Babyöl zu massieren und meine Finger waren alleine schon vom einmassieren schwarz vor Dreck. Danach wurde das ganze mit weichem Papier gereinigt. Diesen Teil der Reinigung wiederholte ich pro Tropfengabe zwei bis drei Mal, und das zwei Mal täglich. Leider musste ich ihr wegen den klebrigen Ohren auch noch das sandbad streichen. Demzufolge war ihr Fell kurz darauf wirklich die letzte Katastrophe.

Durch das tägliche Einfangen nun vollkommen zerzaust
Durch das tägliche Einfangen nun vollkommen zerzaust...

Nach den ersten fünf Wiederholung der Ohrentortur begann die untere Haut durchzuschimmern, allerdings war die Haut stark gereizt und ich musste ihr ein paar Ruhetage zur Regeneration gönnen.
Bereits nach der zweiten Behandlung hat Lilly aufgehört sich ständig zu kratzen. dafür stellten sich nach und nach deutliche Gleichgewichtsprobleme ein, denn die Ohren sind am Gleichgewichtssinn maßgeblich beteiligt.
In das Ohrinnere selber kam ich leider nicht - dafür war die Verletzungsgefahr zu groß. Allerdings ließ sich nach und nach alles so weit einweichen, dass meine Tierärztin beim nächsten Besuch einen Großteil entfernen konnte. Zusätzlich schüttelte Lilly sich viel Dreck selber aus den Ohren, da es sie sehr störte.

Die vorherige Halterin hat ihre Kleine wirklich lieb gehabt und es fiel ihr sehr schwer, das Mädel abzugeben. Sie hat auch immer sehr gut für sie gesorgt, war aber anscheinend nicht über die Auswirkungen eines unregelmäßigen Sandbads informiert. Trotz jahrelanger Erfahrung (7 Jahre hatte sie Lilly bei sich) hatte sie über die Haltungsbedingungen lückenhafte Kenntnisse und hat nicht einmal gemerkt, dass das Tier sich nicht wohl fühlt und taub ist. Eine andere Sache ist mein Groll gegen den Tierarzt, bei dem sie wegen dem Fell gewesen ist. Spätestens er hätte eigentlich die Ursache des Problems erkennen und sich vor allem der Ohren annehmen müssen.
Für jemanden der Chinchillas kennt war diese Tatsache gar nicht zu übersehen. Und das ist wieder ein Punkt, an dem ich Halter bitten möchte, sich vorab bei ihren Tierärzten zu informieren, ob sie sich mit den kleinen Patienten auskennen. Fragen sie andere Halter, treten sie notfalls an Vereine und Züchter heran oder suchen sie sich per Kleinanzeige einen ordentlichen Tierarzt. Denn nicht jeder gibt seine Unwissenheit zu.

© by Heike Brzezina