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Chinchillas richtig halten - Sind diese Haustiere für Kinder geeignet?

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» Überblick über die Chinchillawelt
» Ein paar Worte zum Thema Kinder und Chinchillas
» 15 Jahre Chinchillahaltung, drei Kinder
» Noch ein ernstes Wort zum elterlichen Chinchilla(kauf) fürs Kind

Überblick über die Chinchillawelt

Ein Chinchilla kann bei artgerechter Haltung und liebevoller Pflege ganze 18 bis 22 Jahre alt werden. Da Chinchillas Gruppentiere sind, müssen sie mindestens zu zweit gehalten werden. Sie sind dämmerungs- bzw. nachtaktiv und sollten deshalb tagsüber relativ abgeschirmt von allem Lärm sein. Trotz allem passen die meisten Chinchillas sich aber dem Lebensrhythmus ihrer Halter an und haben rund um die Uhr immer wieder einmal kurze aktive Phasen. Chinchillas sind sehr neugierige und aufgeweckte Tiere, die allerdings einen ausgeprägten eigenen Willen haben. Sie sind friedlich, meist keck und werden zahm. Allerdings lassen sie sich nicht gerne festhalten.

Da diese Nager sehr bewegungsfreudig sind, brauchen sie eine große Voliere mit Kletter- und Springmöglichkeiten, die in unterschiedliche Etagen aufgeteilt ist.
Chinchillas machen relativ viel Dreck, da sie nicht stubenrein zu bekommen sind. Der Kot ist fest, wird aber gerade im Freilauf durch die viele Bewegung im Takt überall verteilt. Zur Fellpflege benötigen sie ein Sandbad mit sehr feinem Sand, der ohne entsprechenden Seitenschutz ebenfalls weiträumig verteilt wird.

Chinchillahaare sind sehr fein und werden in Schreckreaktionen und beim Fellwechsel abgestoßen. Deshalb können sie bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen.
Das Chinchilla ist auch in den Fütterungsbedingungen nicht einfach zu halten. Von allen Heimnagern haben sie neben den Degus die strengste Diät zu halten. Frischfutter und Leckerchen dürfen nur selten und nach Verträglichkeit gereicht werden.

Einen kurzen, zusammengefassten Artikel finden Sie bei der Wikipedia unter Chinchillas.

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Chinchillas dürfen niemals alleine gehalten werden
Chinchillas dürfen niemals alleine gehalten werden!

Ein paar Worte zum Thema Kinder und Chinchillas

Gerade die falsche Haltung durch fehlende Vorinformationen ist schuld daran, dass Chinchillas oft nach kurzer Zeit wieder abgeschafft werden! Warum? Wenn Nager falsch gehalten werden, dann erscheinen sie schnell als "langweilig" und haben ihren Haltern kaum etwas zu bieten - was bei einer artgerechten Haltung nicht der Fall wäre.

So ist ein einzeln gehaltenes Chinchilla zum Beispiel sehr still, weil ihm Artgenossen fehlen. Es sitzt einen großen Teil des Tages verstört und ruhig in einer Ecke und wenn jemand an den Käfig kommt, dann erscheint es, als hätte das Tier keine Lust wach zu werden. Oder das genau Gegenteil – die Tiere verlangen ständig nach Freilauf, zerlegen ihre Voliere und werden aggressiv, weil sie ihre Energie nicht los werden können. Solch ein Verhalten liegt nicht nur im Charakter der Tiere begründet, sondern auch an falschen Haltungsbedingungen und den Bedürfnissen der Tiere, die Halter leider oft nicht verstehen.
Deshalb meine Bitte an alle Erziehungsberechtigten: Bevor Sie Ihrem Kind den Wunsch nach einem eigenen Haustier erfüllen, informieren Sie sich zusammen über die Bedürfnisse des Tieres. So sind Chinchillas zum Beispiel Fluchttiere, die es überhaupt nicht mögen, wenn sie hochgenommen werden. Sie zappeln um sich zu befreien und können so schnell von großer Höhe (zum Beispiel den Armen) ungünstig Abstürzen.

Anders sieht die ganze Sache aus, wenn bei allen Familienmitgliedern die Chinchillaliebe ausgebrochen ist. Mit einer großen, tollen Voliere in einer ruhigen Ecke lässt sich eine Gruppe wunderbar ins Alltagsleben integrieren. Auch für Kinder. Sie können schauen was im Gehege los ist, sich mit den Bedürfnissen der Nager beschäftigen und bei ihrer Pflege helfen, ihnen im Freilauf zusehen, und das Gruppenverhalten kennen lernen... all das ist nicht für den eigenen Nachwuchs interessant und lehrreich, sondern bestimmt auch für den Freundeskreis Ihres Juniors.

Unabhängig von der Tierart denken sie als aufsichtspflichtiger Elternteil bitte immer daran, dass eigentlich Sie für das Tier verantwortlich sind, nicht ihr Kind! Sie müssen ihrem Kind unterstützend und lehrend zur Hand gehen, damit es den verantwortungsvollen Umgang langsam erlernt.
Auf Grund der Wendigkeit und Nagevorliebe müssen Chinchillas im Freilauf gut kontrolliert werden, was für das jüngere kindliches Denken noch nicht umzusetzen ist. Genauso müssen Sie eine tägliche Gesundheitskontrolle durchführen, da gerade Zahnprobleme und Verdauungsschwierigkeiten einem Kind nicht auffallen werden - Chinchillas verbergen es so lange wie möglich, damit die Gruppe sie nicht verstößt.

Bei Tieren, die solch ein hohes Alter erreichen können erlahmt das Interesse normalerweise irgendwann. Und sind sie dann bereit, den ehemaligen Kinderwunsch für die nächsten 15 Jahre weiter zu pflegen, während ihr Kind größer wird und auszieht?

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15 Jahre Chinchillahaltung, drei Kinder

In den letzten 15 Jahren habe ich zwei Kinder meiner Partner und meinen eigenen Sohn durch eine gemeine Lektion schicken müssen. Gerade ein Gitterkäfig verlockt kleine Kinder dazu, mit der Hand "Musik" zu machen. Sie schlagen auf den Gitterstäben herum und finden das unheimlich toll. Da bei mir in einem Fall selbst die intensivste Erklärung nichts nutzte, hat mein damaliger Bock die Sache irgendwann selbst geregelt. So mussten eins der Kinder sich mit meinem wütenden Chinchilla auseinander setzen - und nachdem der einmal zugebissen hatte, hatte das Kind seine Lektion endlich es verstanden.
Was will ich damit sagen? Wenn Kinder Tiere ärgern müssen Sie damit rechnen, dass auch die liebsten Tiere irgendwann anfangen sich und ihr Revier zu verteidigen. Und das kann man den Tieren nicht verübeln.
Mittlerweile sitzen meine Chinchillas in einem Holzkäfig mit Plexiglas und Gittereinsätzen. Alle (Besucher-)Kinder wissen, dass sie nicht in den Käfig dürfen. Der Käfig ist und bleibt nun einmal Tierrevier - und der Mensch hat ihnen diesen Freiraum zu lassen.

Mein Sohn ist heute (2007) fast 4 Jahre alt und nutzte im dritten Jahr jede Gelegenheit, sich an die Voliere zu schleichen. Inzwischen ist er relativ vorsichtig geworden - so vorsichtig, dass er sogar bei der Pflege einer Handaufzucht dabei sein darf. Wenn wir einmal nicht mit den Nagern beschäftigt sind kommt es manchmal vor, dass er laut kreischend beim Fangen spielen durch die Wohnung rennt und dabei ins Tierzimmer flüchten möchte. Trotz aller Verantwortung hilft nur eine geschlossene Tür, doch diesen Luxus können sich nicht viele Halter erlauben.

Noch vor einem Jahr war es anders. Sobald ich mal nicht hinsah, schnappte er sich irgend ein Leckerchen, um den Tieren etwas gutes zu tun. Um das zu verhindern musste ich die Dose mit artgerechten Snacks absichtlich neben der Voliere stehen lassen, damit die Chinchillas nichts ungeeignetes bekamen. Im Freilauf reagierte er auf ihr kitzelndes Fell sehr schreckhaft und hektisch. Trotzdem wollte er natürlich dabei sein.

Mit jetzt knapp vier Jahren ist er ein eigentlich sehr vernünftiges Kind geworden, wenn ich mir andere Kinder (ohne Haustiere) daneben ansehe. Heute fragt er und holt mich, wenn er etwas machen möchte oder beobachtet hat.

Es ist ziemlich schwer, kleinere Kinder an den Umgang mit Chinchillas zu gewöhnen. Als Elternteil muss man ständig dabei sein und ein Auge auf alles haben.

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Noch ein ernstes Wort zum elterlichen Chinchilla(kauf) fürs Kind

Liebe Eltern, Großeltern und Verwandte: Wenn doch der Wunsch eines Kindes im Vordergrund steht, dann sollten Sie die Tiere mit Ihrem Nachwuchs zusammen aussuchen, niemals alleine! Wenn Sie der Überzeugung sind, dass Ihr Kind die zukünftige Pflege zu einem Großteil selber übernehmen wird, dann geben Sie ihm die Möglichkeit selber zu wählen - nur so können Kinder und Teenager wirklich ihre Wunschtiere bekommen, mit denen sie auch nach dem ersten Anflug von Begeisterung noch glücklich sind. Genauso "cool" ist ein fertig eingerichtete Voliere mit einem Gutschein für den bereits festgemachten Züchterbesuch.... und zudem kommt noch die Vorfreude darauf hinzu! Also, doppelter Lohn. Aber hier noch einmal ein mahnender Hinweis: Chinchillas müssen mindestens zu zweit gehalten werden - besser zu dritt - und sie gehören nicht in das Kinderzimmer.

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